Probleme mit EHS während der Reha angeben oder lieber nicht?

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semiramis
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Probleme mit EHS während der Reha angeben oder lieber nicht?

Beitrag von semiramis » 20. Okt 2019 14:53

Hallo liebe Leute,

schön, daß es ein Forum zum Thema gibt, auch wenn noch viel zu wenige es nutzen!

Bin neu hier und stelle mich mal kurz vor. Für alle, die nicht die Muße oder Kraft haben, alles zu lesen, stelle ich meine eigentliche Frage gleich zu Beginn.

Ich stecke in einer Reha-Maßnahme, die mir die DRV Bund "angeboten" hat. Es geht um die Prüfung meiner beruflichen Leistungsfähigkeit. Ich bin unsicher, ob ich gegenüber den Ärzten und Therapeuten hier erwähnen soll, daß ich an EHS leide, da ich Angst vor Psychiatrisierung habe, also damit nicht ernst genommen zu werden.
Ich habe vor der Reha zwei Psychiater / Psychologen aufgesucht, die mir zwar wohlgesonnen waren, aber sagten, ich klinge wie eine schizophrene Person, wenn ich beschreibe, daß ich mein Schlafzimmer vor Handystrahlung abschirme.

Ich leide seit vielen Jahren an CFS (Chronic Fatigue Syndrom). Mein Gesundheitszustand hat sich aber soweit verbessert, daß ich evtl. in der Lage bin, die Reha durchzustehen. D. h. ich könnte hier als arbeitsfähig entlassen werden. Das wäre fatal. Wie geht ihr damit um? Seit ihr arbeitsunfähig geschrieben wegen anderer Krankheiten und bekommt eine Rente? Geht ihr trotz der Beschwerden arbeiten und verheimlicht es? Ich hätte gern noch zwei Jahre Rente, um die EHS in den Griff zu bekommen und dann evtl. wieder arbeiten zu gehen. Ein Umzug wäre auch nötig.

Bei mir äußert sich die Sensibilität indem mein ganzer Körper vibriert und es jetzt seit wenigen Monaten auch anfängt leicht auf der Haut zu brennen. Vor allem im Gesicht und auf Oberschenkeln und Knien. Professionelle Schutzkleidung hilft nur bedingt. Ich hab keine Kreislaufprobleme oder Kopfschmerzen o ä.. Wie schätzt ihr das ein? Ist das schon schlimm? Ich halte es ganz gut aus. Aber viel schlimmer dürfte das Brennen nicht werden.

Hier in der Reha ist die Strahlenbelastung auch geringer als zuhause. Insofern würde ich gern noch eine Weile durchhalten.

Ich hoffe, ich habe mich einigermaßen verständlich ausgedrückt und freue mich über eure Sichtweisen, Erfahrungen mit Ärzten und Ratschläge!

Liebe Grüße

Semiramis
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Sana
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Re: Probleme mit EHS während der Reha angeben oder lieber nicht?

Beitrag von Sana » 20. Okt 2019 16:30

Hallo Semiramis,

also, ich kann und will Dir nicht sagen, was Du tun sollst.

Wie ich damit umgehe:
Ich sage es mittlerweile den Ärtzten, klipp und klar.
Auch aus "strategischen" Gründen, ich will, das es dokumentiert wird.
Denn es ist ja die Wahrheit.
Ich kann mich halt in einem Umfeld mit 24/7 Mobilfunkstrahlung, Wlan, etc. nur eine sehr begrenzte Zeit aufhalten bzw. "arbeiten".

Es ist mir so egal mittlerweile, ob die mir "glauben" oder nicht.
Es gibt so viele seriöse und unabhängige STudien mittlerweile zu dem Thema, so dass Mediziner - wie die von Dir genannten - die dieses Thema noch immer ignorieren oder sogar meinen es immer noch auf die "Psycho-Schiene" schieben zu müssen m. E. einfach nur noch als ignorant und dumm bezeichnet werden können.

Herzliche Grüße

Sana
"Es ist kein Zeichen von Gesundheit, gut an eine grundlegend kranke Gesellschaft angepasst zu sein."
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Birgit
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Re: Probleme mit EHS während der Reha angeben oder lieber nicht?

Beitrag von Birgit » 20. Okt 2019 17:19

Hallo Semiramis,
sehr interessant, dass du dieses Thema ansprichst. Ich war dieses Jahr im Februar 2 Wochen lang in einer Klinik (Neurologie, verdacht auf Schlaganfall) und 2 von 3 Wochen auf Reha, wegen eines angeblich entzündeten Hörnerves) und darauffolgend massivem Schwindel, der bis heute ununterbrochen anhält.

Ich bekam vor der Aufnahme einen Fragebogen, den ich mit einem eigenen Ergänzungsblatt ergänzte, zu der Frage, welche genauen Vorbelastungen ich den habe? Bevor mir später jemand sagt, dass ich etwas verschweige, habe ich wirklich ALLES hineingeschrieben, damit es einfach dokumentiert ist. Du brauchst ja heutzutage überall eine Historie, um Veränderungen besser festhalten zu können. Ich für meinen Teil würde dir sehr dazu raten, egal wie das Ganze später ausgeht. Mir war es von Anfang an egal, was "sie" über mich denken und so nahm ich die Herausfordeung Reha (Neurologie) einfach an.

Ich leide ebenfalls seit vielen Jahren unter CFS/ME und wusste eigentlich auch, dass das stark vom Elektrosmog kommt, natürlich in zusammenhang mit weiteren Dingen.

Das fatale war jedoch, das ich dann 24 Stunden lang WLAN ausgesetzt war und egal ob im Essraum oder während anderen Behandlungen von den Mitbewohnern und Therapeuthen rundum Handystrahlung ausgesetzt war. Eine zeitlang konnte ich damit noch ganz gut umgehen, aber nach der ersten Woche wurde es von Tag zu Tag immer schlimmer. Es gab auch Sport an Geräten, worauf ich mich sehr freute, obwohl ich schon dachte, "na ob das wohl gut geht?". Nein es ging natürlich nicht gut und je mehr Sport ich machte, umso schlimmer wurde es. Es ist ja bekannt, dass es sich um keine Psychische Erkrankung handelt, wenn der Gesundheitszustand bei Aktivierung schlimmer wird. Nur leider hat sich niemand darum geschert.
Der Gipfel des Ganzen war, das ich während eines Vortrages, ausgerechnet bei der Klinikchefin immer mehr in mich zusammen sackte. Leider verpasste ich den Zeitpunkt noch rechtzeitig den Raum zu verlassen. Erst sehr viel später, min. 20 min. "erbarmte" sich die vortragende Chefin sich mal zu mir zu bewegen um mich aus meiner Situation zu befreien. Ein mitfühlender Mitpatient, der mich schon länger beobachtet hatte brachte mich dann auf mein Zimmer. Ich konnte fortan fast an keiner Veranstaltung oder Behandlung mehr teilnehmen, sogar das Essen musste mir des öfteren ans Bett gebracht werden.
Dann dachte ich noch so bei mir, "man das ist ja gut, dass mir das hier passiert ist und dass das sogar die Klinikchefin, selber Ärztin, mitbekommen hat". Aber weeeeiiiiiit gefehlt. Im Anschluss, als ich mich wieder etwas erholt hatte, dürfte ich mir von gleich 2 der Ärztinnen etwas anhören. Ich dachte echt, ich bin im falschen Film. Ich sagte noch, dass dies vermutlich Oxidativer Stress ist und sogar im Blut gemessen werden kann. Aber natürlich interssierte sie das beide nicht. Stattdessen kündigten sie mir an, in meinen Entlassungspapieren eine gute Psychotherapie zu suchen. Das war echt der Gipfel.

Da ich noch eine weitere Woche dort bleiben sollte, überlegte ich, wie ich gut aus der Nummer wieder rauskommen kann, um keine Sanktionen zu befürchten. Die Schmerzen und Situation war dort für mich so unerträglich, dass ich sogar überlegt hatte die Polizei zu rufen. Aber ich bekam dann von anderer Seite den Hinweis, mich doch an die Beschwerdestelle der Klinik zu wenden, was ich dann auch tat und innerhalb von 30 min. war die Dame bei mir im Zimmer. Nur ihr habe ich es zu verdanken, dass ich mit beiderseitigem Einverständnis am selben Tag noch die Klinik verlassen konnte.

Für meinen Teil würde ich OHNE Absprache bzw. der Zusage eines Emmisionsfreien Zimmers nie wieder in eine solche Klinik gehen. Es gibt dafür extra für Kliniken eine Leitlinie für MCS Patinten, den man dort vor Antritt vorlegen kann, bzw. sollte.
Nun kämpfe ich dafür, das in einem Schwerbehinderten Status anerkannt zu bekommen.

Ich hoffe, ich konnte dir mit meiner Story etwas helfen, die richtige Entscheidung für dich zu treffen.

Liebe Grüße von Birgit
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Sana
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Re: Probleme mit EHS während der Reha angeben oder lieber nicht?

Beitrag von Sana » 20. Okt 2019 17:33

Birgit schrieb:
Für meinen Teil würde ich OHNE Absprache bzw. der Zusage eines Emmisionsfreien Zimmers nie wieder in eine solche Klinik gehen. Es gibt dafür extra für Kliniken eine Leitlinie für MCS Patinten, den man dort vor Antritt vorlegen kann, bzw. sollte.
Ja, das ist - glaube ich - mittlerweile lebenswichtig, je nachdem, wie stark die eigenen Symptome auf EMF sind...
Nun kämpfe ich dafür, das in einem Schwerbehinderten Status anerkannt zu bekommen.
Ich wünsche Dir viel Erfolg, Birgit!
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semiramis
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Re: Probleme mit EHS während der Reha angeben oder lieber nicht?

Beitrag von semiramis » 20. Okt 2019 21:05

Hallo Sana, hallo Birgit, vielen Dank für eure Antworten.

Und Birgit, es tut mir leid, daß es für Dich so schlimm war. Jede Klinik ist anders und hier ist auf die Beschwerdestelle kein Verlaß. Ich will einfach gut durch die Reha kommen. Und wie gesagt, die Strahlenbelastung ist hier geringer als zuhause und sie haben hier ein Schwimmbad, daß ich täglich zur Erholung nutzen kann.

Auch kann es gut sein, daß ich CFS/ME gut überstanden habe, da es mir seit ca. sechs Wochen plötzlich so gut geht wie schon seit Jahren nicht mehr. Bei mir wurde CFS durch den EBV-Virus ausgelöst, der ca. 10 Jahre aktiv bleibt und dann bei einigen Patienten wieder zur Ruhe kommt. Vielleicht gehöre ich dazu. Die 10 Jahre sind fast auf den Tag genau rum. Das werde ich hier in der Reha herausfinden. Morgen geht der Belastungstest los.

Wenn es mir zu bunt wird und mir der Aufenthalt schadet, werde ich die Reha abbrechen und meinen Gesundheitszustand von einem externen Arzt dokumentieren lassen.

Ich wünsche Dir alles Gute und gute Besserung!

Semiramis
Domenica
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Re: Probleme mit EHS während der Reha angeben oder lieber nicht?

Beitrag von Domenica » 21. Okt 2019 19:15

der nachfolgende Beitrag von Hamburg126 ist viel nützlicher als meiner - daher kein Kommentar
Zuletzt geändert von Domenica am 28. Okt 2019 16:42, insgesamt 2-mal geändert.
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Hamburg126
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Re: Probleme mit EHS während der Reha angeben oder lieber nicht?

Beitrag von Hamburg126 » 25. Okt 2019 14:12

1.) Elektrosensibilität ist offiziell durch die WHO mit dem Code Z58 ärztlich diagnostizierbar (Bezug auf physikalische Umwelt)
- www.icd-code.de/suche/icd/recherche.htm ... 25E4t%2520
2.) ich selbst erwähne EHS nur, wenn es notwendig ist
Wenn ich auf Kur wäre und auf der Kur ist alles in Ordnung sehe ich keine Notwendigkeit das zu erwähnen- außer es ergibt sich im Gespräch (mit Ärzten die vertrauenswürdig sind). Wäre ich auf Kur, wo das WLAN ''sehr drückt'' würde ich dies in jedem Fall erwähnen- um die Kur abzubrechen oder diese woanders weiter zu führen.
3.) bei Amtsärzten wegen Arbeitsfähigkeitsprüfung habe ich dies kurz und knapp erwähnt und direkter Hinweis: ''Arbeitsstelle ohne WLAN/ DECT''
4.) Wenn man Sonnenschirm aufstellt, um sich vor Sonnenstrahlen zu schützen bzw. UV Brille für Strahlenschutz trägt, ist man auch nicht schizophren. Jemand der eine Bleischürze fürs rötgen umgelegt ist nicht schizophren. Unterschied ist lediglich das Strahlenschäden durch Mobilfunk in D offiziell nicht anerkannt sind. Auch dank der Lobbyarbeit durch die Industrie.
5.) Mobilfunkfirmen sind ganz gewieft. Sie klären durch Informationsbroschüren Ärzte auf, das EHS nicht existiert, keine Strahlenschäden durch Studien nachgewiesen sind und letztendlich alles Einbildung ist (bzw. Schizophren). Siehe Hinweis auf meiner Website über die Aussagen der Industrie, die die Ärzteschaft aufklärt: www.elektrosensibel-ehs.de/taeuschung-der-bevoelkerung/
6.) Nimm sehr sachliche, kurze Informationsbroschüren mit. Bestenfalls hoch offizielle von Ärztekammern etc.
Leitlinien für Ärzte sind hierbei interessant (Diagnose und Behandlung von EMF Beschwerden):
- EUROPEAM Leitlinie: https://europaem.eu/attachments/article ... ung_DE.pdf
- EUROPEAM VOLLTEXT: https://europaem.eu/attachments/article ... -11-10.pdf
- EMF Leitlinie (Ärztekammern): www.baubiologie.or.at/bbi/wp-content/up ... er-oak.pdf
7.) Immer sachlich reden, weniger emotional. Je verzweifelter, um so mehr wirkt man unglaubwürdig- denke dran, das die Leute die EHS nicht haben, das nicht nachvollziehen können.
8.) EHS wurde bereits durch Gerichte weltweit anerkannt (www.elektrosensibel-ehs.de/gerichtsurte ... hlight=z58)
9.) EHS ist in Schweden anerkannt
semiramis
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Re: Probleme mit EHS während der Reha angeben oder lieber nicht?

Beitrag von semiramis » 29. Okt 2019 23:28

Hallo Hamburg126,

vielen Dank für die ausführliche Antwort und vor allem die links! Da lese ich mal in Ruhe weiter. Ich werde dies auch nur vertrauensvollen Ärzten gegenüber erwähnen und wenn ich die Diagnose von einem Umweltmediziner habe. Auch muß ich mich erstmal über die Studienlage informieren. Habe mich bisher nur mit Abschirmung befasst.

@ Domenica Schade, daß Du Deinen Beitrag gelöscht hast. Ich hätte ihn mir gern nochmal durchgelesen. Für mich ist jeder Blickwinkel und jede Meinung/ Erfahrung wertvoll.

Liebe Grüße,

Semiramis
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